bobby conn

Fr 18 09
glamrock/alternative from u.s.a
bobby conn
Café Central Weinheim

Einlass: 

20:00

Beginn: 

21:00

Bobby Conn ist ein Sänger, Songwriter und Performance-Künstler, der in Chicago, IL arbeitet. Er entstammt der Chicagoer No-Wave- und Performance-Szene der Neunziger Jahre, entwickelte aber eine Reputation für extravagant-exzessive Performances, satirisch-politische Texte und experimen-tellen, Soul-basierten Art-Rock.

Zu seinen Studioalben gehören "Bobby Conn" (1997), "Rise Up!" (1998), "The Golden Age" (2001), "The Homeland" (2004), "King for a Day" (2007), "Macaroni" (2012), sowie verschiedene Singles, Kollaborationen und Compilations. Er arbeitet mit seiner Partnerin und Geigerin Monica BouBou, dem DJ und Sounddesigner Adam "DJ LeDeuce" Greuel, seiner langjährigen Rhythmusgruppe Jim "Dallas" Cooper und Josh Johannpeter, sowie anderen Musiker*innen aus der Chicagoer Klassik-, Jazz- und Improvisationsszene zusammen. Mit Monica BouBou tritt er oft als minimalistisches Elektro-Duo mit Backing-Tracks auf. Er und DJ LeDeuce haben eine wöchentliche Radioshow mit dem Titel "Post Modern Talking" auf WLPN 105.5 FM Chicago (Streaming auf www.lumpenradio.com (!)). Sein neuestes Album "Recovery" erscheint am 20. März 2020 bei Tapete Records. Conn hat es sich nicht nehmen lassen, selbst eine Einführung dazu zu schreiben:

Hat es überhaupt einen Sinn, von Genesung zu sprechen, wenn wir noch nie wirklich gesund waren? Vor vier Jahren habe ich mit der Arbeit an diesem Album begonnen. Dabei hatte ich im Kopf, mit welcher Besessenheit die Amerikaner sich mit Themen wie Selbsthilfe, Selbstversorgung und Selbstermächtigung beschäftigen – alles nur ein grausamer und billiger Ersatz für Nächstenliebe und gegenseitige Hilfe. Mit diesem Prinzip werden immer nur diejenigen belohnt, die genügend Geld haben, um sich selbst zu helfen, und alle anderen werden bestraft, weil sie sich angeblich nicht genügend angestrengt haben. Dann wurde ein neuer Präsident gewählt – und seitdem geht es in Kultur und Wirtschaft nur noch um das Eine geht, nämlich unsere mächtigeren, wagemutigeren, reinrassigeren Zeiten wieder zum Leben zu erwecken. Einige meiner Freunde wurden schwer krank, andere sind gestorben oder haben sich umgebracht, und all meine Befürchtungen sind Realität geworden. Aber keine Sorge – die Musik auf dieser Platte klingt nicht deprimierend.

Wie immer habe ich die letzten fünfzig Jahre Art-Rock und Soul in einen Mixer geworfen und ihn auf Vollgas gestellt. Als ich die Stücke geschrieben habe, waren vor allem 10cc, J Dilla, Liaisons Dangeroux[1], Jean Claude Vannier, Anna Meredith, Slade, D’Angelo und so weiter meine steten Begleiter. Aber das werdet ihr beim Hören vermutlich selbst feststellen. Die Musik dieses Albums ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit meiner Partnerin Monica BouBou (Violine und Gesang) und unserer Superband, bestehend aus Josh Johannpeter (Schlagzeug), Jim „Dallas“ Cooper (Bass), Billie Howard (Keyboards und Strings), Devon Davis (Gitarre) und dem Soundkünstler DJ LeDeuce. Die Aufnahmen fanden im Kellergeschoss eines Hauses statt, und zwar über mehrere Monate hinweg. In dem Stück „Brother“ bekommt das Synthesizer-Genie Felix Kubin einen Gastauftritt, und gemischt wurde das Ganze aufs Wunderbarste von Tobias Levin und Hannes Plattmeier in Hamburg.

Hier ein paar Bemerkungen zu den einzelnen Stücken:

Recovery: Eine niemals endende Reise und Sucht zugleich.
Disposable Future: Verblüffende neue Technologien ermöglichen uns eine unendliche Auswahl, und zwar mit Hilfe von Geräten, die sich unserer Kontrolle entziehen. Ist das tatsächlich das, was wir uns erträumt haben?
Good Old Days: Die nostalgischen Gefühle für die Lügen alter, weißer Männer werden uns alle das Leben kosten.
No Grownups: Aus der Perspektive eines Teenagers gefangen in einer Welt, in der alle Erwachsenen selbstbetrügerische, verantwortungslose Narzissten in scheußlichen Klamotten sind.
Brother: Es ist sehr einfach, vor dem Leid, dem wir Tag für Tag begegnen, die Augen zu verschließen.
On The Nose: Großvaters Rassismus in neuem Gewand – als provokante Rebellion für die Internet-Generation.
Bijou: Eine Ode an ein kürzlich geschlossenes schwules Kino in Chicago, das Teil des Kampfes für die sexuelle Selbstbestimmung war
Disaster: Wenn der Mob die Tore stürmt und den Palast niederbrennt, fühlen unsere Herren sich wie Helden.
Young Man’s Game: Du kannst nicht ewig das gleiche Spiel spielen.
Always Already: Aus einer Fehlinterpretation von Derrida, Marx und Foucault entsteht eine nihilistische Hymne. Sorry, Lionel Ritchie.

Diese Worte lesen sich vermutlich hohl und anmaßend – ich schätze, ich hätte das Album auch einfach „Sinnlos und überflüssig“ nennen können. Aber war ich jemals raffiniert oder taktvoll? Keine Ahnung, und, ganz ehrlich: Es ist mir inzwischen auch scheißegal. Wir leben in der Gegenwart, in diesen Zeiten, und ich versuche, so gut wie eben möglich damit klar zu kommen.